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Von Gerkan, Marg und Partner bauen die Kunsthalle Mannheim

Mit „Museumsstadt“ in transluzenter Metallhülle setzt Mannheim ein Signal

Der Neubau der Kunsthalle Mannheim wird von der Architektensozietät gmp – von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg gebaut. Das größte deutsche Architekturbüro setzte sich mit einem spektakulären Raumkonzept gegen die deutsche und internationale Konkurrenz durch. Die Entwurfsidee ist eine „Museumsstadt“ in filigraner Metallhülle. Während schwebende Ausstellungskuben im Inneren Konzentrationsräume für Kunst schaffen, zu denen die Besucher über Brücken und Terrassen flanieren, korrespondiert die gestaltprägende kupferfarbene Aluminium-Röhrenkonstruktion der Fassade auch farblich mit der Stadtstruktur Mannheims. Nach Zustimmung des Gemeinderats Mannheim wird die private Stiftung Kunsthalle Mannheim den Neubau bis 2017 für 70 Millionen Euro auf dem städtischen Filetgrundstück im Jugendstilensemble des Friedrichsplatzes errichten. Damit entsteht der derzeit größte Neubau eines Museums für moderne und zeitgenössische Kunst in Deutschland.

Die Würfel sind gefallen. Der Neubau der Kunsthalle Mannheim mit einem Investitionsvolumen von knapp 70 Millionen Euro wird von der weltweit agierenden Architektensozietät gmp – von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg gebaut. Das größte deutsche Architekturbüro hat sich in einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren mit einem spektakulären Raumkonzept in transluzenter Metallhülle gegen eine starke internationale und am Ende deutsche Konkurrenz durchgesetzt.

Die Entscheidung fiel nach einem intensiven Verhandlungsverfahren am Montagabend unter Einbeziehung von Architekturexperten und Gemeinderäten in der Stiftung Kunsthalle Mannheim einstimmig. Zum sechsköpfigen Stiftungsrat aus Unternehmern und städtischen Vertretern zählen der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Dr. Peter Kurz, und Dr. h.c. Hans-Werner Hector, der mit seiner 50-Millionen-Euro-Spende 2011 den Anstoß für den Neubau gegeben hat. Nach der Zustimmung des Gemeinderats am 18. Dezember 2012 wird die private Stiftung bis 2017 den Neubau auf dem städtischen Grundstück der Kunsthalle am Friedrichsplatz errichten.

“Der gmp-Entwurf für die Kunsthalle verspricht ein atemberaubendes Raumerlebnis,” zeigt sich der Stifter Hans-Werner Hector begeistert. “Ich freue mich schon heute auf dieses Schatzhaus, das die Kunst in den Mittelpunkt stellt.” Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz ist beeindruckt von der “zeichensetzenden Museumsarchitektur, die faszinierende Raumerlebnisse verspricht, die auch nach außen dringen. Vor allem fasziniert die Entwurfsidee, einen Komplex aus Ausstellungshäusern mit Wegen, Plätzen und dem Ausblick in den Himmel zu gestalten. Das lebendige Museumsinnere teilt sich durch die transparente Hülle auch in den Stadtraum hinein mit und schafft damit ein Merkzeichen für Mannheim.” Der Mannheimer Unternehmer und Stiftungsratsvorsitzende, Dr. Manfred Fuchs, betont: “Wir hoffen, dass nach dem sorgfältigen Auswahlverfahren der Entwurf von gmp in seiner ästhetischen Strahlkraft, aber auch mit seiner überzeugenden Funktionalität und Wirtschaftlichkeit die Akzeptanz der Bürgerschaft findet.” Als Vorsitzender des Preisgerichts würdigt Architekt Professor Jörg Friedrich (Hamburg/Genua) die “bemerkenswerte Kraft des Entwurfs, eine Architektur die sich in den Dienst der Kunst stellt, ohne eigene Ansprüche aufzugeben. Die Kunsthalle von gmp ist in ihrer spannenden Balance zwischen Transparenz und Geschlossenheit, Klarheit und Emotionalität eine souveräne Behauptung und bewältigt doch zugleich die sorgfältige Einbindung in den urbanen Kontext.”

Die Wettbewerbsaufgabe an städtebaulich herausragender Position im Zentrum Mannheims war eine Herausforderung: Höchstes architektonisches Niveau, unverwechselbarer Wiedererkennungswert auf der einen Seite, eine hocheffiziente Infrastruktur für den zeitgemäßen dynamischen Museumsbetrieb auf der anderen. Gefordert war ein Dialog mit dem singulären Denkmalensemble des Friedrichsplatzes und der Jugendstil-Kunsthalle, aber auch ein maßstabssetzendes Null-Energiekonzept.

Bürgermeister Lothar Quast: „Die neue Kunsthalle fügt sich städtebaulich optimal in die Umgebung des Friedrichsplatzes ein. Der Entwurf des Architekturbüros gmp wird ein hervorragendes Bindeglied zu den schon bestehenden Gebäuden werden. Auch in architektonischer Hinsicht setzt die Kunsthalle ein Zeichen, das über Mannheim hinaus seine Wirkung entfalten wird.”

Die Entscheidung für die Architektensozietät von Gerkan, Marg und Partner (gmp) würdigt einen spektakulären Entwurf von außergewöhnlich hoher räumlicher Qualität. Die Entwurfsidee ist eine „Museumsstadt“ in der Stadt, umgeben von einer schimmernden transluzenten Metallhülle – eine moderne Antwort auf den roten Sandstein des umgebenden Denkmalensembles. Um das zentrale Tageslicht-Atrium, das sich – überspannt von einem großflächigen Glasdach – über die gesamte Gebäudehöhe erstreckt und Sichtbezüge nach allen Seiten bis in das zentrale Treppenhaus des Jugendstilgebäudes eröffnet, gruppieren sich wohlproportionierte Ausstellungs-”Häuser”, die der Besucher über Brücken und Stege, Terrassen und Plätze erreicht. Während die schwebend anmutenden Ausstellungskuben im Inneren die Konzentration auf die Kunst und ein ungewöhnliches Raumerlebnis schaffen, korrespondiert die gestaltprägende kupferfarbene Aluminium-Röhrenkonstruktion, die das Gebäude komplett umhüllt, auch farblich mit der Stadtstruktur von Mannheim. Die filigrane Fassadenhaut, durch die die helle dreidimensionale Kubenkomposition im Innern durchscheint, lässt die Stadt am Leben im Museum teilhaben.

In seiner vornehmen Präsenz am Friedrichsplatz hat der Museumsbau sowohl repräsentative wie auch identitätsstiftende Wirkung. Das souveräne Wechselspiel zwischen Innen- und Außenraum, Tag- und Nachtoptik weckt Neugier und lädt zu Austausch und Dialog ein. Raum- und Blickachsen verändern sich beim Umrunden im Stadtraum ebenso wie beim Flanieren durch den Innenraum. Ein Höhepunkt ist der begrünte Skulpturengarten unter freiem Himmel auf der zweiten Etage, von dem aus die Besucher den Friedrichsplatz mit dem Mannheimer Wahrzeichen des Wasserturms überblicken. Ein Projektraum für junge Kunst, Veranstaltungs- und Seminarräume, vor allem aber ein autonomes und dennoch eng mit den Ausstellungsräumen verzahntes Funktionscluster für Kunstvermittlung und Publikumsprojekte sollen neue Formen der Partizipation ermöglichen.

„Es geht darum, die Institution Museum neu zu denken und im täglichen Ablauf neue Wege zu gehen“, betont Kunsthallen-Direktorin Ulrike Lorenz. „Das Raumprogramm des Museumsneubaus unterstützt unser Zukunftskonzept eines Museums in Bewegung kongenial. Es lässt Parallel-Dynamiken im Ausstellungsbetrieb mit unterschiedlichen, auch gattungsübergreifenden Präsentationsformaten zu. Es ermutigt zu einem dynamischeren Umgang mit unserer hochwertigen Sammlung. Aber vor allem eröffnet es unserem Publikum eine einprägsame Bewegung zum Kunstwerk hin, ein Eintauchen in differenzierte Ausstellungsatmosphären, die Bewegungen im Kopf auslösen. Wir wollen ein magischer Ort sein, der Menschen anzieht und verändert. Ein Museumsbesuch muss immer ein prägendes Erlebnis sein.“

„Die Entwurfsidee einer ‚Museumsstadt‘ erfüllt die gestellten Anforderungen sowohl in Qualität und ihrer Komplexität“, sagt Bürgermeister Michael Grötsch. „Die Idee ist darüber hinaus originell und hebt sich deshalb von den anderen Preisträgerentwürfen ab. Für die herausragende Sammlung der Moderne und Gegenwart bietet sie einen angemessenen Repräsentationsort.“

Die neue Kunsthalle Mannheim von gmp fügt sich durch präzise Maßstäblichkeit sensibel selbstbewusst in den Stadtraum ein. Seine Höhen- und Breitenausdehnung bezieht sich auf den gegenüberliegenden Rosengarten. Der Baukörper hat eine Gesamtdimension von 21,5 m (Höhe) x 79,2 m (Breite) x 51,6 m (Tiefe). Die Bruttogeschossfläche beträgt 16.002 qm, die Nettogeschossfläche liegt bei 13.878 qm. Auf die Programmfläche entfallen 9.414 qm, davon sind für die Präsentation von Kunst (Sammlung und Wechselausstellungen) 4.672 qm vorgesehen. Die Ausstellungskuben sind 250 bis 500 m² groß. Die Kunstdepots umfassen 1.340 m². Foyer, Gastronomie- und Veranstaltungsbereich entfalten sich auf 1.260 m² im Erdgeschoss. Der autonome Kernbereich der Kunstvermittlung umfasst Flächen von über 250 m².

Der deutschlandweit derzeit höchste Finanzbetrag (ca. 70 Millionen Euro), der in den Neubau eines Museums für moderne und zeitgenössische Kunst investiert wird, speist sich aus der Spende des SAP-Mitbegründers Dr. h.c. Hans-Werner Hector in Höhe von 50 Millionen Euro und einem Zuschuss der Stadt Mannheim von 10 Millionen Euro. Darüber hinaus wird das Land Baden-Württemberg und über das Energiethema voraussichtlich auch das Bundeswirtschaftsministerium Fördermittel zur Verfügung stellen.